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Lernen im Betrieb

Die betriebsnahe modulare Nachqualifizierung orientiert sich an der Berufspraxis und an betrieblichen Abläufen. Der zentraler Lernort ist der Arbeitsplatz. Dieser ist jedoch nicht im eigentlichen Sinn ein Lernplatz und vielen eher lernfremden Kriterien unterworfen. Gezielte Hilfestellungen und der Einsatz geeigneter Methoden sind wichtig dafür, konstruktives Lernen möglich zu machen.

Der Personalverantwortliche eines größeren Unternehmens erzählt:

„Wir hatten ein paar Probleme mit unserem EDV-System, bereits eingegebene Aufträge mussten daher storniert und neu eingegeben werden. Dabei hat die Teilnehmerin uns sehr gut geholfen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, ihr die Zusammenhänge zu erklären: Warum muss ich das jetzt machen? Was hat das für Konsequenzen? Wo kommen die Daten her und wo gehen sie hin? Nur wenn man den Gesamtzusammenhang versteht, kann man sinnvolle Entscheidungen treffen.“

Warum finden große Teile der Qualifizierung am Arbeitsplatz statt?

Praxisnah lernen: Nicht die Vermittlung abstrakter Wissensinhalte ist das Ziel einer betrieblicher Nachqualifizierung, sondern der Erwerb beruflicher Handlungskompetenz an realen Arbeitsaufgaben. Besonders Lernungewohnten kommt dieses praxisorientierte Erfahrungslernen direkt am Arbeitsplatz entgegen: Die Vielfalt der Arbeitsaufgaben erleichtert den Transfer vorhandenen Wissens auf neue Situationen, wechselnde praktische Anforderungen ermöglichen den Aufbau flexibler Handlungsstrategien. Auch Schlüsselkompetenzen (wie die Fähigkeit zu Kooperation oder Kommunikation) können im unmittelbaren beruflichen Handeln – quasi nebenher – meist leichter erworben werden als in rein schulischen Lernsituationen.

Eine Floristin, die an einer Nachqualifikation zur Bürokauffrau teilnahm, berichtet:

"Ich bin kein Theoretiker - für mich war sehr hilfreich, dass ich alle Inhalte aus dem Unterricht sofort an meinem Arbeitsplatz im Unternehmen umsetzen konnte. Ich war als Mitarbeiterin integriert im Unternehmen und verantwortlich für eigene Arbeitsbereiche. Das hat mich sehr motiviert."

Wie geht es, worauf ist zu achten?

Vor Beginn der Qualifikation muss festgelegt werden, wo im Unternehmen die einzelnen Ausbildungsinhalte erlernt werden können. Wenden Sie sich bei Bedarf an Ihren Bildungsdienstleister. Er unterstützt Sie, wenn es darum geht, geeignete Arbeitsplätze für den Qualifizierungsprozess zu finden oder Fachkräfte Ihres Betriebes auf die neue Rolle als Lernberater vorzubereiten. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Aufbereitung der Arbeitsplätze zum Lernort. Arbeitsplätze und ihre Organisation sind vor allem an betriebswirtschaftlichen, technischen und ergonomischen Gesichtspunkten ausgerichtet. Die positiven Möglichkeiten des Lernens im Arbeitsprozess erschließen erst durch den Einsatz ergänzender, unterstützender und begleitender Maßnahmen. Hierzu steht eine Vielzahl von Methoden und Instrumenten zur Verfügung. Die wichtigsten sind:

  • Leittextmethode
  • Projektmethode
  • Lern- und Arbeitsaufträge
  • Erkunden und Präsentieren
  • Lerninsel
  • „Lernecken“
  • Neue Medien

Welche Werkzeuge und Informationen können dabei unterstützen?

  • Die Übersicht „Arbeitsplätze als Lernorte einrichten“ enthält Informationen darüber, welche Hindernisse Arbeitsplätze für das Lernen darstellen können und welche Möglichkeiten zur Anpassung bestehen. Die Übersicht können Sie sich hier herunterladen (Download als PDF, 45KB).
  • Eine Checkliste zur Gestaltung arbeitsplatznaher Lernprozesse für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf können. Die Checkliste können Sie sich hier herunterladen (Download als PDF, 49KB).
  • Eine Besprechung betrieblicher Lernmethoden enthält die BIBB-Expertise „LERNORT BETRIEB: Berufliche Qualifizierung von benachteiligten Jugendlichen. Methodische Ansätze für Ausbilder und Ausbilderinnen“. Die Expertise können Sie sich hier herunterladen (Download als PDF, 977KB).
  • Eine ausführliche Darstellung des Lernens im Arbeitsprozess finden Sie in Abschnitt 3.2 des Handbuchs „Neue Wege zum Berufsabschluss. Ein Handbuch zur berufsbegleitenden Nachqualifizierung an- und ungelernter (junger) Erwachsener. Bonn, Berlin, Nürnberg, Frankfurt/Main, 1999. Herausgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bundesanstalt für Arbeit, Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (INBAS).
  • Informationen darüber, wie Lernen am Arbeitsplatz stattfinden kann, enthält die Internetseite Es folgt ein externer Link in einem neuen Fenster: www.ausbildernetz.de
  • Eine Darstellung der Lernmethoden im Betrieb, die bei einer Nachqualifikation für an- und ungelernte Frauen zur Kauffrau für Bürokommunikation der bfz Bildungsforschung verwendet wurden, Es folgt ein externer Link in einem neuen Fenster:finden Sie im Leitfaden (Download als PDF, 38KB).
    Krings, Ursula; Oberth, Christa; Zeller, Beate: Flexible Wege zum Berufsabschluss. Modulare Nachqualifizierung im Betrieb. Ein Leitfaden für die Praxis. Bertelsmann, Bielefeld 2001. Kapitel 4.